Beschluss: ungeändert beschlossen


 

Beschluss:

Auf der Grundlage des Beschlusses der Bezirksvertretung hat das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen eine Fläche an der Hadersleber Straße in Neuehrenfeld ermittelt, die sich zur Anlage eines Urbanen Urwaldes oder sogenannten „Tiny Forest“ im Sinne des o.g. Beschlusses eignet.

Die Verwaltung schlägt vor, die Fläche als Pilotprojekt mit enger Beteiligung der benachbarten Schule und anderer interessierter Akteure vor Ort umzusetzen.

Die Projektentwicklung und Umsetzung, zusammen mit den Akteuren vor Ort, wird von der städtischen Waldpädagogin gemeinsam mit der Waldschule Köln der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. übernommen.

Die Verwaltung hat dazu das beigefügte Konzept erarbeitet.

Auf der Grundlage der Erfahrungen aus dem Pilotprojekt, können später auch auf anderen geeigneten Flächen urbane Urwälder im Stadtbezirk angelegt werden, wenn dafür geeignete Grundstücke zur Verfügung gestellt werden.

 

Konzept für einen urbanen Urwald (Tiny Forest) in der Hadersleber Straße:

Klima- & Biodiversitätsprojekt zur Jugendförderung & Umweltbildung

 

Projektrahmen & Projektziele

Ein Tiny Forest, auch Mini-Wald, Kleine Wildnis oder urbaner Urwald genannt, ist ein mindestens 100 m² großes Wäldchen. Auf dieser kleinen Fläche wachsen bis zu 32 unterschiedliche heimische Baum- und Straucharten. Weltweit entstehen Tiny Forests im städtischen Bereich (Niederlande, UK, Paris, Brüssel, Indien, Pakistan, Curacao und in Deutschland: Darmstadt & Brandenburg) wegen ihrer zahlreichen positiven Funktionen:

 

 

 

 

 

 

 

  • Förderung von Chancengleichheit durch Umweltbildung

 

Das Ganzheitliche Kölner Umweltbildungskonzept –UBK (Stand:13.04.2018) hat einen erhöhten Bedarf an kostenlosen Umweltbildungsangeboten für Schüler*Innen in Köln festgestellt. Laut den Leitsätzen „Aufstieg durch Bildung – die Qualifizierungsinitiative Deutschland“ (Qualifizierungsinitiative von Bund und Ländern, Oktober 2008) seien MINT-Fächer wie Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften zu stärken. Waldpädagogik und die Initiierung, Pflege und Erforschung des Tiny Forests entspricht der Forderung des UBK nach einer räumlichen Ausweitung und Nutzung schulnaher Standorte zum „draußen lernen“.

 

  • Waldpädagogik & Naturbewusstsein in der Schule & im Veedel:

 

Früher war es überlebenswichtig den Wald genau zu kennen und Prozesse in der Natur zu beobachten. Die nachhaltige Nutzung von Früchten, Kräutern und Holz aus dem Wald gehörte zum Urwissen der Menschen. Essbare Beeren, frischer Birkensaft, Ahornsirup, Nüsse die satt machen, Eichel-Kaffe, frische Triebe als Salat usw.. Das Holz wurde handwerklich verwendet. Weidentriebe wurden zu Körben verflochten, aus Grünholz wurde geschnitzt. Auch das Wissen zu Tierarten, ihren Lebensräumen und ihrer Nahrungsgrundlage gehört hier mit dazu.

Viele Städter wünschen sich dieses Wissen wieder zu erlangen, sowie die Fähigkeit die Natur im Jahreslauf zu beobachten und ökologische Zusammenhänge zu verstehen.

Ein Tiny Forest unmittelbar neben der Schule kann in vielen Unterrichtsfächern durch praktische Anwendungsbeispiele unterstützen (z.B. Biologie, Mathematik, Kunst, Musik, Hauswirtschaftslehre, usw.). Kenntnisse zu Tier- und Pflanzenarten und Wissen zu essbaren Beeren & Nüssen können erworben werden. Ein Gefühl für Zahlen, Formen, Mengen, Maße & Entfernungen bis hin zur Baumhöhen-Schätzung kann bei der Planung des Tiny Forest erlangt werden. Im künstlerisch-handwerklichen Bereich kann die Herbstblätterfärbung zur Farbenlehre dienen und es kann mit weiteren Naturmaterialien wie Korbweide und Holz gearbeitet werden. Auch zu Natur-Musik mit Stöcken, Blättern, Wasser, Vogelgezwitscher kann der Tiny Forest anregen.

Die gemeinsame Gestaltung und Pflege des Tiny Forests kann das soziale Miteinander prägen, sowie das Verantwortungsbewusstsein für das Kölner Stadtgrün.

 

  • Erhöhung der Artenvielfalt im städtischen Bereich:

 

Im Vergleich zum üblichen Wald in Deutschland sind bis zu 32 Baum- und Straucharten überproportional viele Arten auf kleinster Fläche. Dadurch wird in der Stadt auch die tierische Artenvielfalt erhöht, die auf bestimmte Pflanzenarten, deren Blüten, Früchte und Naturstrukturen angewiesen sind. Dies sind zum Beispiel zahlreiche Vogelarten und eine Vielzahl nützlicher Insektenarten (Bienen, Schmetterlinge, Käfer usw.). Durch die Pflanzen wird auch der Boden belebt und Würmer, Schnecken, Kleinstlebewesen und Pilze werden gefördert. So entsteht mit der Zeit ein eigenes kleines Biotop, das sich fortwährend weiter entwickeln und verändern kann. Zunächst bieten die kleinen dichten Bäume Vögeln und evtl. Kröten Schutz. Mit zunehmendem Alter der Bäume könnte die Fläche für Eichhörnchen zur Nahrungssuche und zur Behausung interessant werden.

 

 

 

 

 

  • Positive Klimawirkung im städtischen Bereich:

 

Durch sein Wachstum speichert der Tiny Forest CO2 im Gehölz und entzieht der Atmosphäre das klimaschädliche Gas. Auch die generelle Wasserspeicherung auf der Fläche wird erhöht. Der Tiny Forest wirkt als Klimaanlage durch Wasserverdunstung über die Blätter und trägt zur Stadtkühlung bei. Durch diese positiven Eigenschaften trägt der Kleine Wald zur Klimaanpassungs-Strategie der Stadt Köln bei.

 

  • Gesundheit der Stadtbevölkerung:

 

Ein Tiny Forest dient als grüne Erholungs-Insel für die lokale Bevölkerung.. Einen größeren Beitrag trägt er jedoch zur Luftfilterung und Minimierung der Feinstaub-Belastung in der Stadt. Einen ebenso großen und mit den Jahren immer bedeutenderen Einfluss hat der Tiny Forest als Kühlungs-Insel auf das Mikroklima.

 

 

 

Auswahl des Standortes

 

Schulgelände der Gemeinschaftshauptschule Baadenberger Straße mit angrenzendem Parkplatz. Neben dem Parkplatz liegt die rot umkreiste Rasenfläche für den Tiny Forest mit Outdoor-Klassenzimmer.

 

Rasenfläche für den Tiny Forest und das Outdoor-Klassenzimmer mit Eichenholz-Sitzbänken. Schulwand für die Natur-Graffiti-Aktion „Tiny Forest“ Schule mit angrenzendem Parkplatz.

 

Durch die Umwandlung des Rasens in einen Tiny Forest kommt es zu einer ökologischen Aufwertung. Die unmittelbare Nähe zur Gemeinschafts-Hauptschule Baadenberger Straße ist wichtige Voraussetzung um den Tiny Forest in das Bildungskonzept mit einzubeziehen und das Verantwortungsbewusstsein der Schüler*Innen für den Erhalt, die Pflege und die fortwährende Weitergestaltung der Fläche zu gewährleisten.

Pädagogisch macht es auch Sinn, dass die Fläche neben einem Parkplatz liegt. Hier kann darauf eingegangen werden wie viel CO2 in Bäumen gespeichert wird und wie viel CO2 bei einer Autofahrt ausgestoßen wird. Das Umfeld des Tiny Forest sollte einladend gestaltet sein. Beispielsweise könnte die kahle Schulwand des Parkplatzes mit Tiny Forest-Graffiti farbig anregend gestaltet werden und der Schriftzug „Tiny Forest Schule“ o. Ä. könnte im Natur-Kunst-Projekt mit den Schüler*Innen umgesetzt werden.

Ein Natur-Sitzkreis aus Eichenholz-Sitzbänken bei dem Tiny Forest dient als Outdoor-Klassenzimmer und wird regelmäßig wöchentlich für die Waldpädagogik genutzt. Mit der derzeitigen Corona-Situation werden attraktive Outdoor-Klassenzimmer ebenfalls immer beliebter.

 

Projekt-Umsetzung

 

Arten

Der Tiny Forest soll je nach Standort aus bis zu 32 heimischen Baum- und Straucharten bestehen. 13 Arten davon sind für den Menschen essbar (ggf. erst nach Weiterverarbeitung). Das Herbstlaub vieler Arten verfärbt attraktiv bunt in Rot-, Rosa- und Gelbtönen. Auch im Frühling gibt es weiße Blüten-Highlights. Im Sommer gibt es schmackhafte Beeren.

Eine lebende grüne verflochtene Umgrenzung aus Korbweiden soll den Tiny Forst zunächst von außen schützen, damit sich die Artenvielfalt darin ungestört entwickeln kann. Die Korbweiden können mit der Zeit geerntet und in Schul-Aktionen zu Körben verflochten oder für Kunstprojekte genutzt werden.

Zwischen die Korbweiden werden am Boden Walderdbeeren gepflanzt.

 

 

 

 

Artenliste 20 Baumarten

Name Deutsch

Name Latein

Ordnung

Anmerkungen

 

Stieleiche

Quercus robur

1

Heckengehölz

 

Vogelkirsche

Prunus avium

1

Heckengehölz

essbar*

Winterlinde

Tilia cordata

1

Heckengehölz

 

Rotbuche

Fagus sylvatica

1

Heckengehölz

 

Spitzahorn

Acer platanoides

1

Heckengehölz

 

Flatterulme

Ulmus laevis

1

Heckengehölz

 

Salweide

Salix caprea

2

Heckengehölz

 

Korbweide

Salix viminalis

2

Heckengehölz

 

Purpurweide

Salix purpurea

2

Heckengehölz

 

Grauweide (Strauch)

Salix cinerea

2

Heckengehölz

 

Hängebirke

Betula pendula

2

Heckengehölz

 

Feldahorn

Acer campestre

2

Heckengehölz

 

Vogelbeere

Sorbus aucuparia

2

Heckengehölz

essbar*

Speierling

Sorbus domestica

2

 

essbar*

Elsbeere

Sorbus torminalis

2

 

essbar*

Holzapfel

Malus sylvestris

2

 

essbar*

Kultur-Birne

Pyrus communis

2

 

essbar*

Zitterpappel

Populus tremula

2

Heckengehölz

 

Hainbuche

Carpinus betulus

2

Heckengehölz

 

Schwarzerle

Alnus glutinosa

2

Heckengehölz

 

*für den Menschen essbar, aber ggf. erst nach Weiterverarbeitung

 

Artenliste 12 Straucharten

Name Deutsch

Name Latein

Anmerkung

 

Roter Hartriegel

Cornus sanguinea

Heckengehölz

 

Kornelkirsche

Cornus mas

 

essbar*

Gemeine Haselnuss

Corylus avellana

Heckengehölz

essbar*

Eingriffeliger Weißdorn

Crataegus monogyna

Heckengehölz

essbar*

Pfaffenhütchen

Euonymus europaeus

Heckengehölz

 

Faulbaum

Frangula alnus

Heckengehölz

 

Gewöhnliche Traubenkirsche

Prunus padus

Heckengehölz

essbar*

Schlehe

Prunus spinosa

Heckengehölz

essbar*

Hundsrose

Rosa canina

Heckengehölz

essbar*

Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

Heckengehölz

essbar*

Gemeiner Schneeball

Viburnum opulus

Heckengehölz

 

Purgier-Kreuzdorn

Rhamnus cathartica

Heckengehölz

 

*für den Menschen essbar, aber ggf. erst nach Weiterverarbeitung

 

 

Kostenkalkulation:

Kosten zur Anlage des Tiny Forest

Flächenvorbereitung: 500€

Einkauf Pflanzenmaterial: 2000€

so.Material:1000 €

Gesamkosten (Anlage): 3500 €

 

Sitzkreis Eichenholz: in Eigenkonstruktion der Forstverwaltung Stadt Köln

 

Kooperations-Partner

Haupt-Kooperationspartner sind die Waldschule Köln der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. und die Gemeinschafts-Hauptschule Baadenberger Straße.

 




Abstimmungsergebnis:

 

Einstimmig zugestimmt.